
Ist ein Mensch mit einem gebrochenen Arm ein Armgebrochener oder ein Armbruch?
Im Sprachgebrauch gibt es viele unterschiedliche Bezeichnungen für Menschen die eine Autismus-Diagnose bekommen haben. Ist die Bezeichnung richtig, wenn man sagt, er ist ein Autist? Oder sie ist eine Autistin?
Ich sei ein Autist! Bin ich kein Mensch?
Wenn mich jemand fragt,
ob ich Autist sei, dann frage ich mich,
ob die Person mich einer anderen Gattung zuordnet.
Bin ich kein Mensch?
Bin ich etwas anderes?
Sind Autisten keine Menschen?
Zu welcher Gattung gehören Menschen mit Autismus?
Ein Mensch mit der Diagnose Autismus-Spektrum-Störung ist NICHT ein Autist!
Der Mensch, die Person ist ein Individuum, wie alle anderen auch.
Ob ein Mensch an ASS leidet oder ob er keinen Befund dafür hat, dennoch gehört er zur Gattung Mensch (Homo), zur Art (Homo sapiens).
Was sind „andere“ Menschen, wenn sie krank oder verletzt sind?
Hier ein Paar Fragen zum nachdenken:
- Wenn Peter fieber hat. Ist er dann ein Fiebriger?
- Wenn Tabea Verstopfung hat, ist sie dann eine Verstopfte?
- Wenn Pirmin Blähungen hat, ist er dann ein Bläher?
- Wenn Fabienne Heuschnupfen hat ist sie eine Heuschnupferin?
- Wenn Livio Warzen hat ist er dann ein Warzer?
- Wenn Chantal Läusebefall hat, ist sie eine Läusin? Eine Belauste? Eine Verlauste? Eine Läusebefallene?
- Wenn Flurin eine Verstauchung hat, ist er dann ein Verstauchter?
- Wenn Seraina eine Beule hat, ist sie dann eine Verbeulte?
- Wenn Remo Nasenbluten hat, ist er dann ein Nasenbluter?
und noch einen letzten, weil ich es so schlimm finde, was mit unüberlegten Worten alles angerichtet werden kann…
- Wenn Noëmi eine Gehirnerschütterung hat, ist sie dann eine Gehirngeschüttelte?
1. Berner Symptombänkli

Das Dorf der Diagnosen
Es war einmal ein kleines, friedliches Dorf namens Symptomingen, in dem die Menschen auf eine ganz besondere Weise beschrieben wurden.
Als an einem Montagmorgen die Sonne in Symptomingen aufging, humpelte Urs zur Bäckerei. „Oh, da kommt ja der Verstauchige“, rief die Bäckerin Marianne, die selbst gerade als die Mehlschnupfige mit tränenden Augen hinter der Theke stand. Draussen auf der Strasse trafen sich Reto, der Nasenschnäuzer, und Debora, die Handverstauchte. „Guten Morgen, du Handstaucherin.“ rief er ihr zu, während sie einhändig winkte, denn die andere Hand war mit einem dicken Verband umwickelt. „Danke, du Schleimiger.“ antwortete sie gut gelaunt.
Jetzt kommt Fredi, der Zehennagelentzündete
Am Häusereck, beim Gemüsehändler arbeitete Fredi, besser bekannt als der Zehennagelentzündete. Er versuchte, eine Kiste Tomaten hochzuheben, aber mit den engen Turnschuhen gelang es ihm nur unter grossen Schmerzen. „Hier, ich helfe dir, du Nagelentzündeter.“ rief Patricia, die Schulterverrenkte, doch als sie zugreifen wollte, zuckte sie vor Schmerz zurück. In dem Moment, auf der anderen Strassenseite, rannte Silvan, der Wadenkrampfige, hinter Lena, der Mückenstichigen her. Die Mückenverstochene schuldete dem Wadenkrämpfer noch zwei Franken wegen dem Schläckstängel. Doch kurz bevor Silvan die Verstochene einholen konnte, rempelte er den entgegenkommenden Marco um.
Der Schleudertraumatiker sieht die migränöse Bea
Der Schleudertraumann fluchte vor sich hin und sah durch die grosse Fensterscheibe, wie Bea, die Migränöse im Restaurant einen Kamillentee trank. Die Migränerin unterhielt sich mit Nico, dem Blasenentzündeten. Er jammerte fürchterlich: „Heute morgen war ich schon 15 mal auf dem Klo.“ Kopfhaltend flüsterte Bea: „Ach, erzähl das mal Tamara, der Durchfälligen“ und zeigt dabei mit der anderen Hand auf das WC-Schild, hinter dem ein leises Wimmern zu hören war. Ein Haus weiter, beim Friseur sass Fabio, der Gerstenkörnige, und versuchte, stillzuhalten, während Yvonne, die Sehnenscheidige, mit zittriger Hand die Schere führte und sagte: „Bitte keine Zuckungen, sonst schneide ich daneben, du Augengeschwollener.“
Der Geschälte lacht alleine
Am Abend versammelten sich alle im Dorfzentrum zur traditionellen „Diagnosenparade“. Dort stand Noah, der Fusspilzige, neben Selina, der Nierensteinigen. David, der Rückenverrenkte, hielt eine Rede über die Bedeutung von gegenseitigem Verständnis, aber weil ihn sein Rücken so schmerzte, sprach er nur in halben Sätzen. Als die Sonne unterging, lag das Dorf friedlich im sanften Abendlicht. Nur der Sonnenbrandige Kevin stand noch vor dem Gemeindehaus und lachte laut vor sich hin: „Morgen bin ich wieder der Schälende.“ Und so schliefen sie alle ein, die Verknacksten, die Verstopften, die Genicksteifen, die Bändergerissenen, die Bauchgrummelnden und die Blasenentzündeten. Denn in Symptomingen war jede und jeder einfach das, was ihn oder sie gerade am meisten nervte. ENDE des Wahnsinns.
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